Ein Tag der Ruhe in der Abbazia Monte Oliveto Maggiore

Rund 30 km südöstlich von Siena am Rande der bekannten Landschaft Crete Senesi befindet sich die Abtei Monte Oliveto Maggiore. Hoch über den Hängen auf einer bewaldeten Anhöhe wirkt sie auf ihre Besucher bereits von weitem eindrucksvoll und majestätisch. Monte Oliveto Maggiore bzw. die „Abtei zum großen Ölberg“ ist der Hauptsitz der Benediktinerkongregation der Olivetaner; berühmt besonders wegen des Freskenzyklus über das Leben des heiligen Benedikt von Norcia, den Sie im großen Kreuzgang finden. Er zählt für mich zu den Meisterwerken der italienischen Renaissance-Wandmalerei.

Zu Beginn möchte ich ein wenig auf die Geschichte von Monte Oliveto Maggiore eingehen. 1313, im Alter von 41 Jahren, zog sich der adlige Sieneser Rechtsgelehrte Bernardo Tolomei mit zwei Freunden in die Abgeschiedenheit zurück, um nach der strengen Auslegung der Ordensregeln des hl. Benedikt sein Leben zu führen. Bereits 1319 erhielten die Mönche die Zustimmung zur Gründung eines Klosters, ein Jahr später wurde der Grundstein für das Kloster gelegt. Papst Clemens VI erkannte 1344 offiziell das Kloster als Kongregation an. Im August 1348 starb Bernardo Tolomei in Siena als er während der Pestepidemie mit mehr als 80 seiner Glaubensbrüder den Kranken und Sterbenden half.

Durch einen gegen Ende des 14. Jahrhunderts errichteten Torturm betritt man den inneren Bereich der Abtei. Die aus rotem Backstein erbauten Konventgebäude wurden in mehreren Bauphasen von 1387 bis 1514 errichtet. Neben dem intarsiengeschmückten Chorgestühl aus dem frühen 16. Jahrhundert in der Kirche (erbaut im frühen 15 Jahrhundert und ab 1772 barock umgestaltet) verdient der große zweigeschossige Kreuzgang besondere Beachtung.

Im Auftrag des Abts Domenico Airoldi von Lecco wurde der Kreuzgang zwischen 1426 und 1443 ausgemalt. Ab 1495 arbeitete der berühmte Renaissancemaler Luca Signorelli und ab 1505 der Piemonteser Giovanni Antonio Bazzi – besser bekannt als Sodoma – an dem Kreuzgang. Der Freskenzyklus umfasst 35 Szenen mit Episoden aus dem Leben des heiligen Benedikt (Ordensgründer). Nr. 1 – 19 und 30 – 35 wurden von Sodoma, Nr. 21 – 29 von Signorelli und seinen Mitarbeitern gemalt. Die genaue Erläuterung der einzelnen Szenen würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Ich empfehle Ihnen den „Toskana“ Reiseführer von Baedeker, der die Szenen gut aber nicht zu umfangreich wiedergibt. Er diente neben meinen Besuchen in Monte Oliveto Maggiore auch als eine Quelle für meinen Bericht.

Neben dem Kreuzgang sollten Sie auch einen Spaziergang durch das herrliche Gelände der Abtei machen. In dem Park und dem kleinen Wäldchen finden Sie eine unvergleichliche Ruhe. Sie sind der Welt regelrecht entrückt und können über die Wichtigkeiten und Nichtigkeiten des Lebens nachdenken. Ich fand hier die beruhigendste Atmosphäre in der Toskana. Auch ein Besuch in dem kleinen Klosterladen kann ich empfehlen. Neben interessanten Büchern finden Sie hier auch Produkte aus eigener Herstellung. Probieren Sie den Honig.
 

 

Herzlichst
Ihre Heike Böhm-Hämmerle

 

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